09 Aug 2026
38m

Tourismus - Die koloniale Kehrseite des Reisens

Podcast cover

Sein und Streit

Tourismus fungiert als koloniale Praxis, die tief in moderne Machtstrukturen und Ausbeutungsverhältnisse eingeschrieben ist. Sinthujan Varatharajah analysiert in seinem Essayband *Wo die Zeit stehen bleibt*, wie das westliche Lebensversprechen des Reisens auf der erzwungenen Immobilität und dem Dienst anderer basiert. Am Beispiel Balis verdeutlicht er, wie koloniale Mächte Orte durch ästhetische Konstruktionen als zeitlose Paradiese inszenierten, um gewaltsame historische Realitäten zu kaschieren. Die heutige touristische Mobilität ist dabei eng mit rassistischen Zuschreibungen verknüpft, die den Zugang zur Welt ungleich verteilen. Anstelle des unreflektierten Konsums von Orten plädiert Varatharajah für eine grundlegende Transformation der Arbeits- und Lebensformen. Eine zukunftsfähige Perspektive liegt in der sogenannten „Bleibefreiheit“, die den Fokus von räumlicher Expansion auf die bewusste, nachhaltige Gestaltung des eigenen Lebensraums verschiebt und damit koloniale Kontinuitäten aufbricht.

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